Museum in Kassel – Kinder nicht erwünscht

Vom 18. Mai 2009 in Critique

Gestern war ja der internationale Museumstag und in Kassel waren alle Museen kostenfrei zu besichtigen. Das nutzten wir natürlich gerne und zogen mit der ganzen Familie los. Mit dabei waren also zwei Erwachsene ein 6-Jähriger und ein 10-monatiges Kind im Buggy.
Erster Stop – Stadtmuseum Kassel. Mit dem Kind im Kinderwagen ins Museum – Fehlanzeige. Eine Rampe als Zugang ins Stadtmuseum gibt es nicht. Da hieß es schonmal Tragen. Wie man dies mit einem motorisiertem Rollstuhl macht, kann ich mir nicht vorstellen.
Im Museum angekommen stellten wir den Kinderwagen in einer Ecke ab und machten uns auf den Rundgang, bis wir nach einigen Metern von einer Mitarbeiterin eingeholt worden, die uns die Mitnahme der Babywickeltasche untersagte. Das sich in der Tasche zur Versorgung des Kleinkindes wichtige Utensilien befanden war ihr offensichtlich und auf Nachfrage egal. Rundgang abgebrochen und die Tasche unter Knurren in den Keller des Museums in ein Schließfach gebracht.
Das Museum zeigte, wie der Name vermuten lässt, Exponate zur Geschichte der Stadt Kassel. Dinge, die man per Wickeltasche hätte entwenden können, habe ich nicht entdeckt.

Unsere zweite Station der Museumstour durch Kassel war die Ausstellung im Schloß Wilhelmshöhe. Rampen und Flügeltüren für den barrierefreien Zugang waren hier vorhanden.
Unser Rundgang im Erdgeschoss, in dem sich ausschliesslich Skulpturen und Vitrinen befinden, wurde auch hier innerhalb der ersten Minuten durch eine Mitarbeiterin unterbrochen, die uns anfauchte, das Essen und Trinken in der Ausstellung streng verboten sei. Der Anlass war übrigens die auslaufsichere Trinktasse unseres Sohnes, der im Kinderwagen saß. Die Nachfrage, ob das ihr Ernst sei bejahte sie dann nochmals, erntete dafür unseren Unmut und verdarb uns endgültig den restlichen Tag in den Museen Kassels.

Ich halte mich nicht für empfindlich und möchte mich auch nicht der aktuell herrschenden Kritik an der MHK anschließen, aber ich fühle mich hier als Besucher absolut gegängelt. So weltoffen wie sich Kassel mit der Dokumenta zeigt, so kleinlich und pedantisch präsentieren sich die ansässigen Museen, bzw. ihre Mitarbeiter, deren Auftreten einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Erlebnis hat!