Erste Schritte mit der Canon EOS 60D

Vom 13. Januar 2011 in Digitalkamera

Ich darf seit einigen Tagen das neue Canon-Kamera-Modell EOS 60D mein eigen nennen. Daher gibt es heute einige erste Eindrücke, Lob und Kritik. Als Standardobjektiv habe ich nun auch das Canon EFS 17-55mm 2.8 IS USM in Benutzung. Ich war in letzter Zeit lange auf der Suche nach einem passenden Allrounder, der an meine Vorstellungen des perfekten Objektives heranreicht. Das wäre für mich ein Superweitwinkelzoom IS L USM mit einer Lichstärke von 1.2. Ich wollte ja eigentlich ausschliesslich nur noch L-Optiken kaufen, aber irgendwas elementares fehlte mir immer daran. Am Ende war ausschlaggebend, das das 17-55mm einen IS hat und eine durchgängige Lichtstärke von 2.8. Vergleichbare L-Objektive hatten hier nur einen Wert von 4. Dies und den fehlenden Stabilisator hätte ich beim Filmen vermisst.

Die Entscheidungsgründe für meinen Wechsel von der 400D auf ein neues zweistelliges Modell waren das hochauflösende Display mit LiveView und die Möglichkeit mit der Digitalkamera und der bestechenden Qualität meiner vorhandenen Objektive HD-Filme aufnehmen zu können. Weniger wichtig war der Sprung in der Auflösung von 12 auf 18 Megapixel. Meiner Meinung nach ist das für den täglichen Gebrauch ohnehin Quatsch, jeden Schnappschuss mit einer Dateigröße von fast 20 MB auf der Festplatte zu lagern. Diese sehe ich in nächster Zeit ohnehin an ihre Grenzen kommen, da ja auch die HD-Filmaufnahmen einiges an Speicherplatz verbrauchen.
Also habe ich als erstes im Menü die Dateigrößen wieder dem Niveau meiner alten Kamera angepasst und speichere die Bilder weiterhin mit einer Größe von 3888×2592 Pixeln. Sollte ein Model-Shooting, oder andere Anlässe anstehen, zu denen eine höhere Auflösung benötigt wird, ist es ja ein leichtes, wieder auf Maximum umzustellen.

Nun nehme ich mal die für mich wichtigsten Neuerungen unter die Lupe.
Das Display ist qualitativ das beste, was ich bisher an einer Kamera gesehen habe. Dreh- und schwenkbar kann es zum Schutz einfach nach innen gewandt geschlossen werden. Die Klarheit und Schärfe bei der Bildervorschau ist einmalig. Die Vorteile der Beweglichkeit des Displays zur Positionierung der Kamera muss ich ja nicht erwähnen. Auf dem Display kann in jedem Modus eine elektronische Wasserwaage eingeblendet werden – für die Landschaftsfotografie top.

Live View Modus der 60D

Der LiveView-Modus wird bei der 60D rechts vom Sucher mit der entsprechenden Taste (Kamerasymbol, dient auch zum Start der Video-Aufnahme) eingeschaltet. Das Livebild wird vom Sensor geliefert und zeigt genau, wie das Bild mit allen Einstellungen wie ISO und Weißabgleich aufgenommen würde. Nun kommt aber der erste Kritikpunkt. Wer mit Kompaktkameras das Fokussieren gewöhnt ist, oder sogar vorher mit einer Sony-Kamera die Vorzüge eines halbdurchlässigen Spiegel kannte, wird hier schwer enttäuscht. Das Fokussieren im Livebild-Modus „AF Live“ funktioniert stotternd und dauert mit bis zu 4 (!) Sekunden eine Ewigkeit. Das Motiv dürfte sich währenddessen verflüchtigt haben. Daran ändert auch der Modus mit Gesichtserkennung wenig. Der verbleibende Modus „AF Quick“ ist leider genauso Murks. Hier wird zum Fokussieren der Spiegel wieder runtergeklappt, das Display kurz abgeschaltet und nach dem Scharfstellen das Ganze wieder zurück – ein einziges Geklapper.

Hier also der ultimative Tipp: Weiter den Sucher nutzen und den LiveView nur für ungewöhnliche Positionen anstellen!

Video mit der 60D

Wo wir einmal beim Display sind, kommen wir auch gleich zu dem von mir heiß ersehnten HD-Video-Modus der EOS 60D. Zuerst einmal wieder das Lob: Die Aufnahmen sind bestechend gut, aber genau wie die Fotos abhängig von vielen Faktoren. Als die wichtigsten sind das verfügbare Licht, um nicht die ISO-Zahl und damit auch das Bildrauschen nach oben zu treiben und die Objektiv-Qualität zu nennen. Wer sich etwas näher mit der Fotografie beschäftigt wird bereits bemerkt haben, das die Objektive und nicht etwa die Megapixel-Zahl der Kamera ausschlaggebend für die optische Bildqualität ist. Will man hier also was verbessern, sollte man dringend in rotgeringte Canon-Objektive investieren, oder sich für den Anfang erstmal von der Schärfe einer Festbrennweite aus den Schuhen hauen lassen.




In der Video-Praxis mit der 60D gibt es einige gravierende Unterschiede zum Handling eines Camcorders. Die Kamera hat im Gegensatz hierzu keinen kontinuierlichen Autofokus! Das vermisst man schmerzlich, denn es muss idealerweise per Hand mit dem Objektiv scharfgestellt werden. Der Autofokus funktioniert zwar mehr schlecht als recht, wenn man während der Aufnahme den Auslöser halb durchdrückt, oder die AF-Taste auf der Rückseite drückt. Hier wird man aber schnell merken, das der Autofokus heftige Geräusche verursacht, die die sich dann auf der Audiospur wiederfinden.

Also gibt es den zweiten Tipp: Am besten Szenen mit festem Fokus filmen und Schwenks vermeiden. Wie sagt man so schön: Nicht schwenken, sondern Denken! Grundsätzlich gilt, wie für alle Videoaufnahmen, Stativ verwenden!

Entfesselt Blitzen mit der 60D

Ein weiteres Kaufargument war die angepriesene Möglichkeit, auf den schweineteuren Canon ST-E2 Speedlite IR-Sender Blitzfernauslöser verzichten zu können und den Canon-Systemblitz auch mal von der Kamera herunter nehmen zu können. Ich hatte hier eigentlich eine galante Funk-Lösung erwartet, aber nach den ersten Tests stellt sich heraus, das externe Blitze über den ausgeklappten internen Blitz gesteuert werden. Das bedeutet aber nicht, das dieser im Lichtsetup berücksichtigt werden muss. Vor dem Öffnen des Verschlusses wird hier ein Steuerblitz an den externen Blitz abgegeben, der hierfür natürlich in Sichtbereich bleiben sollte. Im Menü Blitzeinstellungen können mehrere mögliche Varianten eingestellt werden. Nur interner Blitz, nur externer Blitz, oder auch beide.

Fazit zur Canon 60D

Ich kann guten Gewissens eine klare Kaufempfehlung für die 60D aussprechen. Es gibt einfach keinen besseren Kompromiss zwischen DSLR und einem Camcorder. Die optische Qualität der Fotos und Videos aus der Kamera ist unzweifelhaft. Von der Bedienungspraxis kann die heutige Technik offenbar noch keinen professionellen Camcorder mit einer DSLR ersetzen. Muss man meiner Meinung nach auch nicht. Canon ist es gelungen zu einer Digitalkamera auf professionellen Niveau eine akzeptable HD-Videofunktion hinzuzufügen.
Ich bin mir sicher, das mich die Kamera zuverlässig in den nächsten Jahren begleiten wird.

Beispielfotos der Canon EOS 60D

| Bildquelle: Canon