Eine HDR-Fotografie Anleitung

Vom 25. Juli 2008 in Digitalkamera, Fotos

HDR – High Dynamic Range Fotografie Definition

Kurz zusammengefasst bezeichnet High Dynamic Range ein hohes Kontrastverhältnis einer Fotografie. Normalerweise liegt das Kontrastverhältnis bei analoger Fotografie (Filmspulen) bei 10.000:1. Das Verhältnis einer digitalen Aufnahme liegt dagegen bei 1000:1. Der Unterschied klingt beachtlich – Ist er aber nicht mehr, wenn man die etwa 200.000:1 bei einem HDR-Bild gegenüberstellt.


Das faszinierende an HDR-Bildern ist, das sich der Kontrast nicht wie bei einem normalen Bild an einem absoluten Weißpunkt orientiert, sondern das man jede mögliche Abstufung einer Farbe einfangen kann. Bildet ein normales jpg-Bild in einer bestimmten Fläche nur noch die Farbe weiß ab, so unterscheidet sich diese Fläche im gleichen Motiv als HDR-aufgenommen noch immer in hunderte Weißtöne, die auf dem jpeg einfach in der Darstellung ignoriert würden.
Diese Farbvielfalt stellt natürlich Anforderungen an das Ausgabemedium – die Darstellung kann eigentlich nur von speziellen HDR-Bildschirmen realisiert werden. Da man normalerweise solche HDR-Monitore nicht zu Hause stehen hat, nutzt man während der digitalen HDR-Aufnahmen-Verarbeitung einige Tricks, allen voran das Tone-Mapping, das erreicht, das der Helligkeitsbereich eines HDR-Bildes mit dem vom Monitor darstellbaren Kontrast angezeigt werden kann. Das gibt dem Digital-Fotografen die Möglichkeit, Bilder mit einem höherem Dynamikumfang zu erzeugen, als dies mit herkömmlicher analoger, oder digitaler Fotografie möglich war.

HDR-Fotoshooting


Es werden praktisch drei Aufnahmen der selben Szene gemacht, ohne die Kamera zu bewegen. Ein Foto normal-, eines unter- und eines überbelichtet. Die Anzahl der Aufnahmen unterschiedlicher Belichtung kann natürlich auch noch erhöht werden, aber drei Aufnahmen sind standardmässig ausreichend. Die nun erstellten Bilder werden dann am PC mit einer HDR-Software wie z.B. Dynamic-HDR, oder Photomatix zu einer HDR-Komposition zusammengefügt und mit einem sogenannten Tonemapping für Druck und Darstellung auf einem normalen Monitor künstlerisch bearbeitet.

Tonemapping in Dynamic HDR

Die Motivsuche

Wie muss mein Motiv sein, um den bestmöglichsten HDR-Effekt zu erreichen?
Entscheidend für die HDR-Fotografie ist zum Ersten weniger das Motiv an sich, als vielmehr der persönliche Geschmack des Fotografen. Mit der HDR-Technik lassen sich nahezu alle Dinge vom Auto, über Möbel bis hin zu ganzen Landschaften auf ein HDR-Bild einfangen. Die HDR-Bearbeitung von Portraits, oder Personen-Aufnahmen allgemein, sind nicht so effektiv, da der hohe Kontrastumfang bei Hauttönen ungewünschte Effekte (Artefakte) erzeugt.Besonders beliebt als HDR-Motive sind natürlich auch Maschinen oder sakrale Bauten, wobei diese Themen zu oft gesehen wurden und daher etwas abgenutzt sind…
HDR- Fotos lassen Aufnahmen plastisch wirken, daher scheinen vor allem Bilder mit einer interessanten Licht-Schatten-Verteilung ganz besonders interessant. Viele HDR-Fotos leben auch von einer besonders faszinierenden Wolkenstruktur. Achten sie also bei ihrer Motivsuche auf einen möglichst interessanten Himmel – sollte das Motiv an sich eimal weniger interessant sein. Je differenzierter die Helligkeitswerte im Himmel, desto interessanter wirkt die Aufnahme im HDR-Endprodukt. Letztendlich ist es allerdings egal was der HDR-Fotograf ablichtet, wichtig ist vielmehr das das Motiv viele sehr dunkle und sehr helle Bereiche zeigt und sich das Motiv nicht bewegt.
Nimmt man Bilderserien für die HDR Bearbeitung auf, sollte man möglichst Wert auf ein stabiles Stativ sowie einen Fernauslöser legen. Bei Tageslicht und kurzer Belichtungszeit sind natürlich auch Aufnahmen aus dem Handegelenk möglich, erschweren aber die Bearbeitung am PC. Die enstehenden Verschiebungen in den einzelnen Aufnahmen der Bilderserien sind eventuell nur schwer auszugleichen und so muss man später gar eine ganze Aufnahme verwerfen.
Während einer Aufnahme vermeidet man es die Blende zu verändern, da sich hier auch die Tiefenschärfe verändert und damit das Bild unnatürlich erscheint. Man passt also eher die Belichtungszeit der Situation an.

Erstellen einer Belichtungsreihe mit drei unterschiedlich belichteten Aufnahmen bei Canon EOS 400D:

  • Kamerawahlrad auf Tv oder Av drehen.
  • eos 400d menü AEBDann im Menü den zweiten Einstellpunkt anwählen und dort auf AEB gehen. Mit einem Druck auf SET kommt man ins Belichtungsreihenmenü AEB. Jetzt kann man mit dem kleinen Wahlrad am Auslöser die verschieden Belichtungsstufen einstellen. Für ein dreiteiliges HDR am besten – 2/+2 einstellen.

  • Mit einem leichten Druck auf den Auslöser wird das Menü verlassen und die Belichtungsreihe ist automatisch gespeichert.
  • Achtung: Wird die Kamera ausgeschaltet, sind auch die eingestellten Belichtungswerte gelöscht und müssen beim erneuten Fotografieren einer Belichtungsreihe wieder eingestellt werden!
  • Als nächstes in die Einstellung für den Selbstauslöser/die Reihenaufnahme. Hier wird die Reihenaufnahme gewählt, die die Kamera veranlasst, drei Aufnahmen nacheinander zu machen.
  • Nun kann ausgelöst werden – Auslöser drücken, bis drei Aufnahmen im Kasten sind. Am besten überprüft man die Aufnahmen auch gleich, auf die unterschiedlichen Belichtungen und eventuelle Verwackler.

HDR Beispielfoto - Grundschule Jungfernkopf

HDR Beispielfoto Canon EOS 1000D - High Sierra

Welches Stativ ist für HDR-Aufnahmen geeigent?

Stative sollten nach Möglichkeit so schwer und stabil sein wie nur irgendwie möglich, das Problem an der Sache ist allerdings das ein Wachstum an Stabilität bei einem Stativ in den meisten Fällen auch ein Plus an Gewicht bedeutet.
Zu diesem Zweck gibt es heutzutage mehrere Stativarten die nahezu jedem Anwender gerecht werden, sich allerdings nicht immer für HDR-Aufnahmen eignen.

Einbeinstativ: Obschon diese Stativart im mobilen Einsatz eine wahre Bereicherung für einen Fotografen sein kann, macht sie doch nur wenig Sinn bei HDr-Aufnahmen. Diese Stativart ist gut geeignet Wackler zu vermeiden, aber bei einer halben Sekunde Belichtungszeit ist mit einem 50er Objektiv spätestens Schluss.

Taschenstativ: Hier bewegt man sich schon eher im richtigen Bereich für HDR-Aufnahmen. Taschenstative sind bestens geeignet wenn man möglichst mobil sein will und sich nicht mit kiloweise Gepäck abschleppen möchte. Ein Problem stellen hier vor allem schwere Kameras dar und nicht zuletzt auch die Tatsache das man ein solches Stativ meist nicht in der Höhe anpassen kann.Desweiteren kann der Spiegelschlag von Spiegelreflexkameras diese Stative bereits so sehr in Erschütterung versetzen, das man auf den fertigen Bildern die Verwackler sieht. Deshalb sind Taschenstative nur bedingt zu empfehlen.

Dreibeinstativ: Das Dreibein ist wohl das bekannteste Stativ. Es wird in unzähligen Varianten und Preisklassen angeboten und verfügt meist über ausfahrbare Beine, sowie in der gehobenen Preisklasse meist auch über einen schwenkbaren Kopf, mit dem man vom Stativ aus auch Aufnahmen im Hochformat machen kann. Das Dreibeinstativ ist aufgrund seiner Eigenschaften und seiner Stabilität am besten geeignet für wirklich gelungene HDR-Aufnahmen.

HDR-Beispielbilder

HDR Beispielfoto - Prinzenquelle Kassel

HDR Beispielfoto - Neustadt Harz, Ruine

HDR Beispielfoto - Fassade mit Fensterladen, Schloßgebäude, Schloss Wilhelmsthal, EOS 400D

HDR Beispielfoto - Fassade mit Fensterladen und Kronenleuchter, Schloßgebäude, Schloss Wilhelmsthal, HDR-Foto

HDR Beispielfoto - Schloßgebäude, Schloss Wilhelmsthal, HDR-Foto


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