Kaffee kommt wieder in Mode

Vom 21. März 2009 in Tipps und Infos

Die Trinkgewohnheiten bei Kaffee haben sich in den vergangenen zehn Jahren grundlegend geändert. Mit dem Boom der Coffeeshops aus den USA und den damit einhergehenden Produktinnovationen hat der Kaffee ein völlig neues Image entwickelt und ist vor allem für junge Menschen attraktiv geworden. Mit dazu beigetragen haben innovative Portionssysteme und Kaffeevollautomaten für den Haushalt, die durch eigenständiges Mahlen, Brühen, Schäumen und Reinigen die Bedienung vereinfachen, sagt Michael Lipburger, Geschäftsführer von Jura Österreich.

Gemahlener Kaffee im Espressokocher

Gemahlener Kaffee im Espressokocher


Der Schweizer Erzeuger Jura präsentierte am Donnerstag in Wien eine neue Produktlinie von Kaffeeautomaten. Zum Imagewandel hätten mehrere Faktoren beigetragen, so Lipburger im Interview. „War früher das Bild des Kaffeekränzchens älterer Damen dominant, die Filterkaffee aus der Kanne tranken, gilt es heute als hipp, immer neue Kaffeekreationen zu konsumieren.“ Wesentlich dafür sei die gestiegene Attraktivität unter Jugendlichen, wofür laut Lipburger neue Vertriebsformen wie die des Unternehmens Starbucks sowie eine Erweiterung des Sortiments in der Gastronomie beigetragen haben. „Parallel mit dem Wissen über Kaffee ist auch die Kaffeekarte in der Gastronomie länger geworden. Mehr als die Hälfte der in Kaffeehäusern konsumierten Kaffees sind bereits Variationen. Im Trend sind besonders Milch-Mix-Getränke wie Kaffee Latte.“

Der Vertrieb von Automaten, die per Knopfdruck verschiedene Kaffeevariationen erzeugen, ist in Mitteleuropa ein lukratives Geschäft. In der Schweiz verfügen bereits zwei von drei Haushalten über Vollautomaten oder Portionssysteme, in Österreich ist es ein Drittel. Den Gesamtmarkt pro Jahr in Österreich beziffert Lipburger mit 240.000 Maschinen, 22.000 Vollautomaten davon kommen aus der Schweizer Edelfabrikation Jura. Die wichtigsten Mitbewerber bei Vollautomaten und Portionssystemen sind Saeco, DeLonghi und Nespresso.

In Deutschland ist die Durchdringung mit Kaffeeautomaten noch deutlich niedriger, wobei die südlichen Bundesländer hier weiter entwickelt sind als der Norden. Lipburger rechnet daher damit, dass der Zenit noch lange nicht erreicht ist und Potenzial zu weit höherer Marktdurchdringung besteht. „Bei den meisten Kunden ist der Kauf eines Geräts für den Haushalt eine Erstanschaffung, und etwa alle acht Jahre überlegt man einen Neukauf.“ Für die Zukunft prognostiziert der Jura-Vertreter kleinere, leisere Geräte mit Touchscreens und erleichterten Pflege- und Reinigungsoptionen.

In der Preisklasse jenseits der 1.000 Euro-Marke pro Kaffeeautomat, auf die sich Jura spezialisiert hat, setzen Anbieter im Konkurrenzkampf vor allem auf exklusives Design. „Das Produkt muss es schaffen, beim Konsumenten Begehrlichkeit zu erzeugen und ein Statussymbol zu werden, das man Gästen präsentieren kann“, erläutert Lipburger. Entsprechend kommen bei der in Wien präsentierten Jura-Produktreihe „Signature-Line“ Leder, Nachtbirke, Rhodium und Swarowski-Kristalle als Schmuck zum Einsatz. Daneben sei die Kaufentscheidung eine Qualitäts- und Geschmacksfrage, die den Anbietern Kompetenz für die Kaffeeverarbeitung abverlangt. „Da ist es auch klar, dass man fabrikseigene Röstereien betreibt und die Kaffebohnen im Handel gleich mitliefert.“

Bezogen auf seinen Handelswert ist Kaffee nach Rohöl die meist gehandelte Ware auf dem globalen Markt, erklärt Lipburger. Hauptproduzenten sind Regionen nahe des Äquators vor allem in Südamerika, wichtigster Kaffeeumschlagplatz ist Hamburg. Die größten Kaffeetrinker sind die skandinavischen Länder und Belgien mit rund zehn Kilo pro Jahr und Kopf, gefolgt von der Schweiz, Deutschland, Holland und Österreich, die bei sieben Kilo rangieren. In welcher Form die gemahlene Bohne getrunken wird, hängt mit ländertypischen Vorlieben zusammen, erklärt Lipburger.

„Italiener frühstücken kaum mit Kaffee, sondern gehen vor der Arbeit in eine Kaffeebar auf einen Espresso. Skandinavier trinken Kaffee in dünner Form als stimulierenden Wärmespender, und in den USA serviert man ihn in Pappbechern.“ Hersteller von Kaffeeautomaten kämen daher nicht umhin, Temperatur, Durchflussgeschwindigkeit oder die Feinheit der Mahlung auf die jeweiligen Traditionen abzustimmen.