Was tun gegen übermässiges Schwitzen?

Vom 20. Mai 2010 in Tipps und Infos

Alle Jahre wieder haben vor allem in den Sommermonaten unsere Schweißdrüsen Hochkonjunktur. Viele von uns schwitzen aber nicht nur, wenn es heiß wird, sondern permanent. Sie leiden unter übermäßiger Schweißproduktion, in der Fachsprache Hyperhidrose genannt. Sie ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild, für das es jetzt eine neue Behandlungsmöglichkeit gibt: Botox. Bekannt ist Botox (Abkürzung für Botulinumtoxin) aus der Nerven- und Augenheilkunde und wird auch erfolgreich in der plastischen Chirurgie eingesetzt, um Falten zu glätten. „Neuerdings kann auch die übermäßige Schweißproduktion durch Botox ausgeschaltet werden“, erklärt Dr. Lutz Kleinschmidt, Facharzt für plastische Chirurgie in der Parkklinik Schloss Bensberg. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Mark Funke behandelt er regelmäßig Patienten, die stark unter der Hyperhidrose leiden. „Dabei hat das Schwitzen an sich eine durchaus sinnvolle Funktion“, so Dr. Funke. „Denn der menschliche Körper benötigt das Schwitzen als Mittel zu seiner Wärmeregulation.“

Schwitzen hat einen Grund

Schwitzen stellt also durchaus eine natürliche und notwendige Funktion unserer Gesundheit dar. So unterschiedlich wie die Menschen ist jedoch auch ihre Neigung, Schweiß zu produzieren. Bei starker körperlicher Aktivität oder bei sehr hohen Umgebungstemperaturen schwitzt der Körper vermehrt, um so durch den Verdunstungseffekt der Flüssigkeit Kälte zur Kühlung zu erzeugen. Läuft das Gleichgewicht zwischen produzierter Schweißmenge und der für eine optimale Kühlung notwendigen Schweißmenge aus dem Ruder, spricht man von krankhaftem übermäßigem Schwitzen – der Hyperhidrose. Sie tritt meist in den Achselhöhlen oder den Handinnenflächen auf, manchmal sogar am ganzen Körper. Die Ursachen sind unterschiedlich. In wenigen Fällen lassen sich eine Schilddrüsenüberfunktion oder andere Störungen des Hormonhaushaltes als auslösende Faktoren feststellen. Meistens liegt jedoch ein Schwitzen ohne fassbaren Auslöser vor (sogenannte essentielle Hyperhidrose). Gerade diese Form ist gehäuft in den Achselhöhlen und / oder an den Hand- und Fußflächen zu finden.

Schwitzen wird zur Belastung

Dass betroffene Personen und auch ihr Umfeld stark darunter leiden, ist klar. Ob privat oder beruflich – mit der Angst vor großen Schweißringen unter den Armen und nassen Hemden lebt niemand gerne. Behandlungsansätze finden sich zunächst in der Therapie der zu Grunde liegenden Erkrankungen. Hyperhidrose-Patienten ohne erkennbare organische Erkrankung werden in der Regel mit lokalen Medikamentenapplikationen (Metallsalze, Gerbstoffe), physikalischen Therapien (Leitungswasseriontophorese) oder die Gabe systemisch wirksamer Medikamente (Salbeiextrakte, Anticholinergika) behandelt. Letztere haben jedoch so hohe allgemeine Nebenwirkungen, dass viele Patienten die Therapie abbrechen. Häufig treten zudem keine wesentlichen Verbesserungen auf.

Botox blockiert Informationsweitergabe

„Neben der operativen, definitiven Therapie durch Entfernung der Schweißdrüsen tragenden Achselhautanteile oder der Absaugung der Schweißdrüsen, steht mit Botox ein neues, ebenfalls sehr wirksames Verfahren zur lokalen Ausschaltung der Schweißdrüsen zur Verfügung“, erklärt Facharzt Dr. Kleinschmidt. „Botox kann neben der Achselhöhle auch an Hand und Fuß eingesetzt werden.“ Dabei macht man sich die Wirkung des Wirkstoffes zunutze, die Informationsweitergabe der Nervenzellen über einen langen Zeitraum zu blockieren. Im konkreten Fall bedeutet dieses ein Ausschalten der Nervenstimulation der Schweißdrüsen für einen Zeitraum von etwa fünf bis sieben Monaten. In dieser Zeit sind die Achselhöhlen oder Hand- und Fußflächen nahezu schweißfrei. Die Schweißfunktion tritt nach Ablauf dieses Zeitraumes langsam wieder ein, häufig jedoch nicht mehr so intensiv wie zuvor. Die Therapie kann jederzeit wiederholt werden. Als Nachteil im Vergleich zu den operativen Therapien, die die Ursache des Problems endgültig entfernen, muss bei der Botoxbehandlung die Notwendigkeit der Wiederholung genannt werden – damit entstehen erneut Kosten. Allerdings bleiben die Risiken und Nebenwirkungen einer Operation dem Patienten erspart.

Als definitive Lösung erfolgt die Absaugung und Kürretage der axillären Schweißdrüsen. Dieser operative Eingriff kann ambulant erfolgen und beträgt etwa 30 bis 40 Minuten. Eingangs wird nach der Lokalanästhesie eine spezielle Tumeszenzlösung in den Achselbereich eingespritzt und danach werden die Schweißdrüsen aus der Haut zum großen Teil entfernt. Die Erfolgsquote ist niedriger als bei „Botox“, aber immerhin bei etwa 80 Prozent. Risiken sind hier Blutungen, Schwellungen und Untergang von Haut (Hautnekrosen). Insgesamt ist der Eingriff aber in routinierten Händen sehr unkompliziert.