Unsichtbares Hörgerät – Kontaktlinse für das Ohr

Vom 10. Februar 2011 in Produkte

Ein tief im Gehörgang platziertes Hörgerät soll es Menschen ermöglichen, ihr Hörproblem nach außen hin völlig zu verstecken. Der Schweizer Hörsystem-Hersteller Phonak hat am heutigen Donnerstag in Wien sein Hörgerät Lyric http://www.phonak-lyric.com als „Kontaktlinse für das Ohr“ präsentiert. Es ist von außen unsichtbar, bleibt vier Monate lang 24 Stunden am Tag im Ohr und erspart dem Träger somit Wartung, Einsetzen oder Herausnehmen.

Hörgerät fürs Duschen geeignet

Das 16 Millimeter lange Gerät sitzt unmittelbar vor dem Trommelfell. Durch die natürliche Nutzung der Ohrmuschel werden Klang und Richtungshören besser. Auch Hintergrundgeräusche und Rückkoppelung fallen weg, so die Angaben des Vertreibers. „Duschen, Sport, Schlafen oder auch das Verwenden von Headsets sind damit problemlos“, erklärt Christian Reus, Phonak-Produktmanager und selbst Lyric-Träger. Beim Schwimmen wird ein maßgefertigter Schwimmschutz eingesetzt, fürs Tieftauchen oder Fallschirmspringen muss das Gerät allerdings abgenommen werden.

Programmierbar ist das Gerät über einen Magnetstab. Die Minibatterie ist fester Bestandteil und kann deshalb nicht ausgetauscht werden. „Alle 120 Tage wird deshalb das gesamte Gerät durch ein neues ersetzt“, erklärt Reus auf pressetext-Anfrage. Lyric wird als Abonnement für ein, zwei oder drei Jahre inklusive Service beim Hörgeräteakustiker verkauft, wobei der Kostenpunkt ab 150 Euro pro Ohr und Monat liegt. Ein noch zu neuartiges Vertriebsmodell für die Kassen, weshalb es Lyric einstweilen nur für Selbstzahler gibt.

Von außen nicht erkenntlich

Zahlungswillige dürfte das Produkt durchaus finden, besonders da die meisten ihr Hörproblem verbergen wollen. „Hörgeräte verbindet man oft mit Alter und Gebrechlichkeit. Das ist mit ein Grund, warum selbst in Europa nur jeder vierte Hörgeschädigte eine Hörgerät trägt“, erklärt Olivia Brown, Managing Director Lyric bei Phonak. 16 Prozent der Menschheit leidet unter Hörstörung, doch nur jeder Dritte davon ist im Rentenalter. „Die meisten Betroffenen sind noch erwerbstätig. Zu laute mp3-Player und Diskomusik haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich ihre Zahl seit den 1980er-Jahren verdreifacht hat.“

Allerdings ist Lyrics nur für 50 Prozent der Hörgeschädigten grundsätzlich geeignet. Es hilft nur Patienten mit mildem oder mittlerem Gehörverlust, zudem gibt es laut dem Innsbrucker HNO-Spezialisten Patrick Zorowka auch medizinische Kontraindikationen. „Dazu gehören Stoffwechselkrankheiten, übermäßige Schmutzbildung, Ekzem-Neigungen oder Allergien. Da die Haut an der Einsatzstelle im Gehörgang direkt über dem Knochen liegt, ist sie sehr verletzlich“, so der Experte.

| Bildquelle: Julia Fuchs / Public Health PR-ProjektgesmbH